Erythrozyten (rote Blutkörperchen)

Die Erythrozyten sind die roten Blutkörperchen und gehören neben den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und den Blutplättchen (Thrombozyten) zu den Blutzellen. Ihre Hauptaufgabe ist der Sauerstofftransport aus den Lungen in den gesamten Körper.

Erythrozyten sind rund, scheibenförmig und zur Mitte hin beidseitig eingedellt. Obwohl es sich biologisch betrachtet um Zellen handelt, besitzen sie keinen Zellkern. Ihr Durchmesser beträgt 7,5 μm und ihre Dicke am Rand 2 μm sowie in der Mitte 1 μm. Im Blutkreislauf jedes Erwachsenen zirkulieren bis zu 30 Billionen Erythrozyten. Ihre Lebensdauer beträgt 120 Tage.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wo werden Erythrozyten produziert?
  2. Was machen die roten Blutkörperchen?
    1. Warum ist Blut rot?
    2. Wie verläuft der Sauerstofftransport im Blut?
  3. Die klinische Bedeutung der Erythrozyten
    1. Wann ist die Erythrozytenanzahl erhöht?
    2. Wann ist die Erythrozytenanzahl vermindert?
  4. Welche Krankheiten gibt es im Zusammenhang mit Erythrozyten?
  5. Gibt es Behandlungsmöglichkeiten, wenn die Anzahl der roten Blutkörperchen von der Norm abweicht?
  6. Quellen und weiterführende Informationen

Wo werden Erythrozyten produziert?

Die Bildung erfolgt im Knochenmark. Dort reifen die Erythrozyten aus verschiedenen Vorgängerzellen heran und werden in den Blutkreislauf entlassen. Pro Sekunde bildet der Körper 2 Millionen neue rote Blutkörperchen. Die Regulation erfolgt über das Hormon Erythropoetin (Epo).

Vielleicht kommt dir der Begriff Epo bekannt vor. Zwar nutzen Ärzte es auch bei bestimmten Erkrankungen als Medikament, zweifelhafte Bekanntheit erlangte Epo aber als Dopingmittel. Die Milz baut Erythrozyten ab, indem sie ältere und weniger elastische Exemplare herausfiltert. Zusätzlich baut der Körper einen geringen Teil im Knochenmark ab.

Was machen die roten Blutkörperchen?

Die Hauptaufgabe der Erythrozyten ist der Gastransport. Das bedeutet:

  • Einerseits transportieren Erythrozyten den eingeatmeten Sauerstoff aus der Lunge in den Rest des Körpers.
  • Andererseits transportieren die roten Blutkörperchen Kohlendioxid (gewissermaßen ein Abfall des Stoffwechsels) aus dem Gewebe zur Lunge.

Warum ist Blut rot?

Die Erythrozyten selbst transportieren den Sauerstoff, indem sich dieser mit dem Hämoglobin verbindet. Hämoglobin ist ein Eiweißmolekül, befindet sich in den roten Blutkörperchen und verleiht ihnen und dem Blut seine rote Farbe. Im Zentrum befindet sich ein Eisenatom, an das der Sauerstoff „andockt“. Hämoglobin ist der für die rote Färbung verantwortliche Blutfarbstoff.

Wie verläuft der Sauerstofftransport im Blut?

  1. Einatmung des Sauerstoffs in die Lungen. Dort gelangt dieser in die Lungenbläschen.
  2. In den feinen Gefäßen der Lungenbläschen nehmen die Erythrozyten den Sauerstoff auf.
  3. Die roten Blutkörperchen transportieren Sauerstoff von den Lungen in den Rest des Körpers.
  4. Angekommen am Ziel laden sie das Sauerstoffatom ab und nehmen dafür Kohlendioxid auf.
  5. Über den Blutkreislauf transportieren die Erythrozyten das Kohlendioxid in die Lunge.
  6. Dort laden sie es ab und du atmest es aus.

Die roten Blutkörperchen transportieren nur zum Teil das Kohlendioxid zur Lunge. Der Rest „schwimmt“ frei im Blut. Oder eine Verbindung namens Bikarbonat bringt den restlichen Teil zur Lunge.

Die klinische Bedeutung der Erythrozyten

Wasser ist die Grundlage jeden Lebens. Entsprechend wichtig sind die Erythrozyten und entsprechend empfindlich reagiert der Körper auf Abweichungen. Natürlich lässt sich nicht die gigantische Anzahl von 30 Billionen Blutkörperchen zählen, daher bestimmt der Arzt bei einem Bluttest immer deren relative Menge. Der Normalwert beträgt:

  • Bei Frauen: 4,3 – 5,2 Millionen/μl Blut
  • Bei Männern: 4,8 – 5,9 Millionen/μl Blut
  • Bei Kleinkindern bis 1 Jahr: 4,2 – 5,5 Millionen/μl Blut

Wann ist die Erythrozytenzahl erhöht?

Eine erhöhte Erythrozytenzahl heißt Polyglobulie. Die Ursachen sind vielschichtig. Ein Beispiel ist der längere Aufenthalt in großer Höhe. Die Luft hat dort weniger Sauerstoff. Um dies zu kompensieren, produziert der Körper mehr rote Blutkörperchen. Auch eine Entfernung der Milz, z. B. nach einem Unfall, führt zu einer erhöhten Anzahl, da der Körper dann weniger Erythrozyten abbauen kann.

Weitere häufige Ursachen sind:

  • Starkes Rauchen
  • Tumorerkrankungen
  • COPD (chronic obstructive pulmonary disease)
  • Herzerkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Lungenerkrankungen

Wann ist die Erythrozytenzahl vermindert?

Anämie, oder Blutarmut, ist der Zustand, wenn im Blut die Erythrozytenzahl vermindert ist. Grundsätzlich kann dies daran liegen, dass das Knochenmark die roten Blutkörperchen langsamer bildet, sie in großen Mengen verloren gehen oder Erkrankungen sie vermindern. Aus diesem Grund lassen sich die Ursachen unterteilen.

Verlangsamte Produktion von Erythrozyten

  • Zu intensive Blut- und Plasmaspendetätigkeit
  • Knochenmarkserkrankungen (z. B. Leukämie)
  • Chemotherapie
  • Eisenmangel (siehe dazu auch Eisenmangelanämie)
  • Vitaminmangel
  • Nierenerkrankungen (fehlendes Hormon Epo)

Verlust von roten Blutkörperchen

  • Größerer Blutverlust (z. B. nach einer Verletzung und/oder Operation oder eine Blut- und Plasmaspende)
  • Menstruation
  • Innere Blutungen

Weitere Erkrankungen

  • Infektionen
  • Rheuma
  • Nierenerkrankungen
  • Krebserkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen

Welche Krankheiten gibt es im Zusammenhang mit Erythrozyten?

Die genannten Störungen beziehen sich alleine auf die Anzahl der Erythrozyten. Daneben gibt es auch Erkrankungen, bei der deren Funktion gestört ist.

  • Favismus: Durch einen Gendefekt ist der Stoffwechsel der Erythrozyten gestört. Favismus verkürzt die Lebensdauer von roten Blutkörperchen und sorgt dafür, dass sie plötzlich verfallen. Dann können viele von ihnen ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen. Es droht eine mitunter erhebliche Anämie (Blutarmut).
  • Sekundäre Eisenüberladung: Diese Störung des Eisenstoffwechsels überlädt die Blutkörperchen im wahrsten Sinne des Wortes mit Eisen. Das kann gefährliche Organschäden nach sich ziehen.
  • Sichelzellanämie: Die Sichelzellanämie macht einen Teil der Erythrozyten unbrauchbar. Ein Fehler in der Proteinstruktur des Hämoglobins sorgt dafür, dass sich die Erythrozyten sichelartig verformen, verklumpen und kleine Blutgefäße verstopfen. Die Ursache liegt auch hier in den Genen. Die Sichelzellanämie tritt vorwiegend in Afrika südlich der Sahara auf.

Gibt es Behandlungsmöglichkeiten, wenn die Anzahl der roten Blutkörperchen von der Norm abweicht?

Ob zu viele oder zu wenige Erythrozyten: Soweit möglich, behandeln Ärzte immer den Auslöser. Bei zu vielen Erythrozyten bietet sich ergänzend hierzu ein Aderlass, z. B. in Form einer Blutspende (sofern möglich), an. Dazu gibt es Medikamente, die die Bildung hemmen.

Liegen zu wenige roten Blutkörperchen vor, kannst du einen leichten Mangel durch die Ernährung beheben. In schweren Fällen verabreichen Ärzte Erythrozytenkonzentrate oder wenden Epo an.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Lippert H. Lehrbuch Anatomie. 8., neu bearbeitete Auflage, Elsevier, München, 2011
  • Menche N. Biologie Anatomie Physiologie. 9. Auflage, Elsevier, München, 2020
  • Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin: Leitlinien-basierte Empfehlungen für die Praxis. Elsevier, München, 2020
  • Theml H, Diem H, Haferlach T. Taschenatlas der Hämatologie: Mikroskopische und klinische Diagnostik für die Praxis. 5., vollständig überarbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2002
  • Miehle W, Fehr K, Schattenkirchner M, Tillmann K. Rheumatologie in Praxis und Klinik. 2., völlig neu bearbeitete Auflage. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, 2000

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